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Klau|s|ens (geborener von Zweitklausens)
Wenn man wo liest ...
GEBEN UND NEHMEN
(Dramolett)
Spinnend
dem SinnesWald gewidmet und dort am 8.12.2007 vorgetragen
--------------------------------------------------------------------------------------
Du weißt, dass du dir hier etwas eingehandelt hast.
Aber was denn? Ich bin doch ein unbescholtener Mensch und zähle meine Tage, einen nach dem anderen.
Wir wissen, dass du deine Tage zählst, markierst, abhakst, einem nach dem anderen, und nun gedenkst, dass es so nach und nach belanglos zuende gehe, mit deinem kleinlich-miesen-erbarmungsvollen Schreiberleben. Dennoch ...
Welches "dennoch"? Ich habe mich für die Lesung doch nicht aufgedrängt.
Da hast du nur in gewisser Weise recht. Du wolltest ja tief im Innern für und im Sinneswald lesen. DU.
Ja, klar: Sinneswald. Der Name hat etwas Phantastisches, was sowohl gut als auch böse sein kann. Alles ist möglich.
Und nun kommt das Problem!
Habe ich ein Problem?
Sicher hast du ein Problem, du wirst im Sinneswald lesen, und wenn du das tust, wirst du genau das hier vorlesen.
Na und? Ist das verwerflich?
Das habe ich nie gesagt - "Verwerflich" kam von dir - aber die Leute wollen etwas hören, was dann auch passt.
Was kann schon passen? Wie sollte man "die Leute" überhaupt je zufriedenstellen? ... weißt du, wenn ich mir darüber Gedanken mache ...
Das solltest du aber!
Gib mir doch bitte einen Hinweis, ich fühle mich ziemlich verloren.
Höre gut zu! Du wirst noch vor der Pause lesen, vielleicht reicht dir das. Ich wiederhole: Vor der Pause. Der letzte vor der Pause.
Du meinst, die Leute sind schon gesättigt, von dem, was vor mir gelesen wurde, und nun gieren sie nach mehr?
Diese "Leute", wie du sie bezeichnest, sind Menschen, nochmals: Menschen, die im Übrigen extra gekommen sind, um im Sinneswald etwas zu hören. Und zwar zu dem Thema "Geben und Nehmen". - Das kann doch nicht schwer sein!
Geben und Nehmen, Geben und Nehmen, Geben und Nehmen ... Das weiß ich doch! Ja, ja. Ich will ja auch dazu was schreiben - aber dass ich auch jetzt noch etwas Hochbesonderes schreiben muss, extra-prima-elitär, damit die Leute in der Pause nicht anfangen zu klagen - also das finde ich doch ein bisschen ungerecht.
Rede doch nicht immer herum und schreibe etwas. Schreibe endlich etwas!
Ja, ich kann ja was schreiben, aber das mit dem "brisant"? Muss ich denn was "Brisantes" schreiben?
Brisant habe ich vielleicht gedacht, nicht gesagt. Aber ist das denn so schwer? Etwas Spannung? Etwas Krimi? Etwas von dem guten Bösen? - Es könnte doch jemand tot sein, einfach so!
Wie grauslich!
Ja, ja, aber etwas mit Krimi sollte es doch zu tun haben, meinst du nicht?
Aber Phantaaaasien (das Land!) wäre doch auch ganz schön, eine weißzartflügelige Fee, die ihre Rein-Hände auf die herrlichsten Kunstwerke der Ausstellung im Sinneswald legt ... und diese so zu lebendigen Wesen erzaubert, welche dann wiederum hier hochblütend schweberauschend im Raum herumfliegen und uns an der Haut längstreichen.
Und wenn nun eines dieser verzauberten Wesen abstürzen würde? Bumms ! Fall! Kaputt?
Dann wäre dieses doch die Leiche!
Du meinst, wir finden eine Sinneswald-Leiche in der Spinnerei in Leichlingen-Balken, haben dann das Genre des Krimis, und wenn man sich der Leiche nähert, löst die sich in Luft auf, weil es ein Fabelwesen ist?
Das gefiele mir ganz gut: eine Leiche, ein Fabelwesen, also eine fabelhafte Leiche - Die Leiche sollte sich übrigens nicht in Luft auflösen, sondern sie sollte ruhig und sachlich auf dem Boden liegen ... vielleicht wie ein altes Handtuch, das nicht mehr weiter weiß. Oder ein alter Schlauch, der entlüftet und entwässert ist.
OK, ok, es könnte doch ein Handtuch sein, das zugleich ein bisschen wie ein alter Schlauch aussieht ... und dann auch noch dampft und kreischt.
Kann denn Dampfen und Kreischen zusammenpassen?
Ich weiß es nicht, aber hier in der alten Spinnerei, mitten im Sinneswald, mitten im Dezember, wenn sich die Dunkelheit über die Tage ausbreitet, um dann am 21. Dezember die längste Nacht des Jahres zu bilden ... da wäre das doch alles gar nicht so schlecht. - Wir spinnen fabelböse Krimiphantasien im Sinneswald der Feen und Pfauen.
Es könnte aber sein, dass du den Leuten die Freude nimmst - mit deinem Gefabel-Gefasel.
Kommen diese Leute, "Menschen", (die ja auch Tiere sein könnten: "schau doch!" ) denn zur Freude?
Ich denke, eher ja. Es kann Ihnen natürlich auch ein Mord zu Freude gereichen, also zur ablenkenden Freude ... wenn sie vergessen, dass ein Mord ein Mord ist, wenn sie also den Mord spielerisch nehmen.
Ich dachte, wir machen hier eine kriminale Angst-Lesung ... und alles ist spielerisch!?
Ja, das dachtest du - aber stelle dir doch vor, dass du nur hier bist, und das liest, und dann hören die Leute deine laute Stimme, und wie du das hier vorträgst ... da bekommen sie es doch mit der Angst zu tun!
Hmm, ist das nicht der Sinn? Soll ich sie nicht mit dem Lesen erschrecken? Immerhin haben wir nun schon eine Leiche, die aus einem UFO stammen könnte, eine Mischung aus Handtuch, Schlauch und Dampf. Dann noch Schreie dabei ... und die ganze verbrauchte Luft.
Ich finde, das mit der "verbrauchten Luft" - das solltest du nicht sagen.
Nein?
Nein, das wäre unhöflich.
Wieso denn?
Weil unsere Gastgeber, diese Braun und Brudes ... weil die dann denken würden, alles würde stinken, wegen der "verbrauchten Luft".
Gut, dann lass' ich das lieber weg. - Aber es wäre nicht gegen sie gerichtet. Denn wo Menschen sind, verbraucht sich die Luft. Ein physikalischer Prozess, keine persönliche Schuld.
Brauchen wir doch nicht - wir haben ja noch die Leiche.
Ja, ja, diese phantastische Leiche, die kein richtiger Mensch ist ...
... und auch kein richtiger Schlauch.
Das macht alles so kompliziert.
Hmm, und wenn ich das mit der "verbrauchten Luft" nicht sagen darf, dann ...
Nimm doch mal Rücksicht. Es ist ein Geben und Nehmen. Du darfst hier von einer Leiche lesen, OK, aber dafür verzichtest du auf die verbrauchte Luft. Aus Nettigkeit.
Und wie soll sich dann Spannung entfalten? Ohne verbrauchte Luft in meiner Geschichte? Das geht doch nicht!
Du könntest doch etwas anderes machen - du könntest doch sagen: Diese verbrauchte Luft, die ist mir nun weniger wichtig ... als das gute Verhältnis zu unseren Gastgebern.
Ach, jetzt soll ich noch schleimen: Einer der besten krimi-tastisch-Autoren der Welt soll schleimen.
Was ist denn "krimi-tastisch"?
Das ist phantastisch und Krimi zusammen gesetzt, wobei ich die "Fanta" weglasse. Denn die trinken die Leute ja in der Pause.
Und wenn sie in der Pause Kaffee trinken? Oder Tee oder Wasser?
Dann müssen sie sich das mit ihrer Phantasie selber denken. Aber ich schätze, die reden in der Pause dann ja doch nur von der Leiche, diese Schlauchdampfhandtuchschreileiche ... und werden erschaudern.
Aber das geht nicht!
Wieso denn nicht?
Weil wir doch die Leute durch unser Lesen erfreuen sollen, GEBEN UND NEHMEN, denn dann erfreut es auch die Gastgeber, und dann sind alle erfreut: Wir also haben eine schöne Leiche, das ist doch schön, und die Leute haben einen schönen Abend. Mehr nicht! Bitte: Keinen Gestank!
Ich verstehe, was du meinst. Würden die Leute sich aber wirklich wirklich - ich meine zweimal wirklich - erfreuen können, wenn wir hier eine Leiche haben, die nicht richtig stinkt?
Ach, ja, da hast du auch wieder recht. Machen wir es so, machen wir es falsch. Machen wir es anders, machen wir es auch falsch.
Das ist der Mist mit diesem Geben und Nehmen, mit diesem Plus und Minus, mit der ausgestreckten Hand und der abgewandten Hand. Diesem Ying und Yang und Tang und Fang und Klang und Rang und ...
Ja, ja, es ist auch der Mist mit deinen langen Sätzen.
Und dann auch mit den erst recht-besonders langen Langsätzen.
Ach, Klausens, - lass doch Lang-Lang - wir haben nun ein Problem.
Sicher haben wir ein Problem, Zweitklausens. Und wir sind jetzt hier am Lesen, unmittelbar vor der Pause, im Sinneswald, also der Spinnerei, und haben ein dickes Problem.
Vielleicht sollten wir die Leiche am besten verschwinden lassen.
Das scheint mir nun ebenfalls ... mehr als klug.
Wenn die Leiche verschwunden ist, dann muss es hier in der Spinnerei auch nicht stinken.
Das stimmt. Leiche weg, Gestank weg ... - und die verbrauchte Luft durch die Leute heute ... übergehen wir einfach. Ganz dezent. Hingebungsvoll dezent.
Genau, es gibt keine verbrauchte Luft. Und kein erbostes Publikum. Und keine verschnupften Gastgeber. Geben und Nehmen. Alle werden glücklich!
Genau! Und dann lesen wir eben diesen Text hier - vor der Pause, um die Gastgeber zu erfreuen.
Und das Publikum.
Und niemand redet mehr über eine Leiche. Im Sinneswald. In der Spinnerei vom Sinneswald. In Leichlingen.
Schön, das ist wahrlich "Geben und Nehmen".
Aber ... wir haben dann ein neues Problem: Worüber sollen die Leute reden? Wir wollten doch, dass sie in der Pause von der Leiche reden, und wenn es diese gar nicht gibt ... und nichts stinkt: Dann haben die Leute auch nichts zu reden.
Dann wären die Leute stumm.
Und dann wären die Gastgeber böse, weil wir sie nicht erfreut hätten, da die Leute ja stumm sind.
Dann können wir nur eines machen. Wir können die Leiche beseitigen. Genau: Wir verstecken die Leiche genau hier im Raum. Und zwar unter den Augen der Zuschauer, und zwar hier hinter dem Klavier. (Wo ist es denn?)
Genau, dann ist die Leiche weg, es stinkt auch nicht, aber die Leute haben in der Pause doch noch etwas zu reden. Über die "wegge" Leiche.
Genau so funktioniert es ja: GEBEN UND NEHMEN, hast du es nun begriffen, Zweitklausens? Wir verzichten auf die Leiche, um der Menschheit Seelenfrieden willen. Obschon wir ureigentlich "leichophile" Menschen sind.
Sakrosankte auch.
Ja, ja: todeswütig, brachialgesinnt. blutdürstig und blutdünstig. Das sind wir auch!
Aber ja, Klau|s|ens, aber ja - ich verstehe jetzt nur nicht, warum du keine Geschichte geschrieben hast ... ganz normal. Einen Kurzkrimi mit viel "abben" Köpfen. Offenen Messerwunden. Verwesenden Leichen - Warum hast du so ein Gespräch aufgeschrieben, wie dieses? Unser Gespräch, was wir jetzt auch noch - und das ist ja noch blöder - ... auch noch LIVE vortragen.
Ja, du meinst ... das Gespräch, was du gerade vorträgst.
Nein, du.
Nein, du!
Nein, du!
Hmm! Immer dieser Streit!
Dann sage doch endlich, was du wirklich denkst!
Also, ich meine: Was hat denn so ein öder DIALOG mit GEBEN UND NEHMEN zu tun?
Verdammte Hacke, verdammte Leiche: Und dafür bin ich jetzt extra hierhergefahren. Nach Leichlingen. Für diese Spiegelfechterei von und mit zwei lebenden Leichen?
Wer soll das denn sein? Wir sprachen über 1 Leiche!
Na, eine Leiche bist eigentlich du! Die andere ich! So ideenlos, wie wir sind!
Du bringst mich auf eine allerletzte Vorpausen-Sinneswald-Idee: Vielleicht kommt "geben" ureigentlich von "angeben" und nehmen von "einnehmen".
Ach?! Und ein "einnehmendes" Wesen wäre dann jemand, der es schafft, vor der Pause dann ...
Jetzt haben wir so lange geredet, wenn wir vor der Pause - die in 10 Sekunden beginnt - ... vor der Pause noch ein Leiche produzieren wollen, dann muss einer von uns beiden ...
Sterben?
Ja - und zwar Du!
Nein, du!
Du!
Nein, du!
Du!
Wo bleibt denn die Pause? Pause! Pause! - Schnell, um 2 Leichen zu verhindern! Pause! Schnell! Pause! Gebt uns ein Pause! Wir nehmen uns eine Pause! Geben und Nehmen! Pause!
im Murbachtal in Leichlingen
GEBEN und NEHMEN
Zwischenmusik:
Angela Steinert: Querflöte - Hans Schmitz: Gitarre
Eintritt frei – Spende erwünscht
Eine Veranstaltung der Spinnerei BRAUN + BRUDES – 42799 Leichlingen, Wietsche 1
Tel. 02175 – 2854 braun-brudes@t-online.de www.spinnerei-braun-brudes.de
© COPYRIGHT: Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen
u.a. als Klaus(s)ens oder Klausens
oder
Klau|sens
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