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Kurzprosa VOM SCHREIBEN

In einer Welt voll Text quäle ich mich durch die Tage, bisweilen auch die Stunden. Oder ist nicht jede Minute schon eine Attacke auf mein Wohlbefinden? Mehr noch: Die Sekunde ist bereits die Tortur schlechthin. 

 

Meine Hand erhebt sich zweifach einfingrig und stößt in die schwarzen Tasten mit den weißen Beschriftungen. Kabellos. Es ist schön, dass die Buchstaben über den Tonl ... oder den Schall oder den/das Infrarot - auf jeden Fall über irgendeine Erfindung nun endlich in den Computer eingehen.

 

Wenn ich nach rechts schaue, dann ist da etwas wie ein großes schwarzes plattgeschlagenes Ei, welches an einer bestimmten Stelle grün leuchtet - und dann weiß ich, dass die Frequenzen ankommen und vor mir auf dem Monitor erscheinen. Ja, direkt vor mir. Zentimeter von meiner Iris entfernt. Je schneller ich dann zustoße, mit den Tasten, desto mehr erscheint vor mir auf dem Monitor.

 

Leider habe ich davon nicht sehr viel, denn ich muss immer wieder auf die Tastatur ohne Kabel schauen, damit ich nicht diese Tippfehler habe, oder doch wenige Tippfehler nur habe, die - und das gebe ich unumwunden zu - meine Texte so verdrießlich werden lassen.

 

Ich rufe dann zu meinen Texten: "Hey, warum schaut ihr so traurig drein?" - Und meine Texte sagen eigentlich nichts. Sie liegen da auf dem Monitor, und warten, dass ich meinen Blick von der Tastatur erhebe, um endlich einmal genau hinzugucken. Meine Texte kommen mir vor wie Hunde - und ich überlege mir, ob ich ein Stöckchen werfen solle, damit sie endlich mal losrennen dürfen.

 

Und wenn ich dann hingeschaut habe, läuft mir ein Schauer der Scham über die Backen, vielleicht auch den Hals, und ganz eventuell den Rücken: Denn ich zähle zuerst die Druckfehler. Ja, es ist sogar so, dass mir unter allen Druckfehlern der Text ganz verlorengeht, der Sinn des Textes sowieso.

 

Deshalb setze ich mich abrupt aufrecht und arbeite nun mit eben dieser kabellosen Tastatur daran, die Druckfehler zu beseitigen. Wenn mir das gelungen ist, kann ich meine Augen erneut anheben, um mir den Text zu besehen, den ich geschrieben habe.

 

Meist gefällt mir gar nicht, was ich da  so schrieb - zumindest nicht alles. Da ist dann ein Satz, dem ich Güte zubillige, aber viele andere, die mir schlecht erscheinen: vage, ausgelutscht, sinnlos.

 

Dann sitze ich ich vor meinem Computer und weiß überhaupt nicht, was ich tun kann oder soll, um mit dem Text eine Beziehung einzugehen. Denn ich weiß ja, dass er von mir ist, alles, was ich da ausgestoßen habe. Buchstabe für Buchstabe, mit den beiden Zeigefingern der linken und der rechten Hand.

 

Aber wenn es nun gar nicht gut ist?! Ich will schon löschen, da ruft eine innere Stimme: "Halt, oh du mein Autor. Das darfst du doch nicht tun! Es hat dich doch Minuten, wenn nicht Stunden gekostet, diesen Text zu produzieren. Und nun willst du ihn einfach löschen?!"

 

Sofort schaue ich auf den Monitor, als ob ich da meine innere Stimme entdecken könnte. Aber das kann ich natürlich nicht, weil diese innere Stimme neben mir sitzt, oder vor mir, ach nein, weil diese gar nicht sichtbar ist. Dafür heißt sie ja "innere Stimme".

 

Und nun bin ich in einem seltsamen Prozess: Ich starre auf den Monitor und beschaue den Text, dem ich soeben die vielen Tippfehler entriss. Dann aber schaue ich auch auf den Monitor, weil ich die innere Stimme suche, die mich zum Löschen aufforderte.

 

Diese innere Stimme aber, das hat sie mir ja selber gesagt, werde ich auf dem Monitor nicht finden. Und hier zeigt sich meine ganze Weltfremdheit: Ich schaue weiter auf den Monitor, als würde sich von da aus das Rätsel aller Welt entschlüsseln.

 

Nun kommt eine andere innere Stimme und fragt mich, warum solche komischen Konstrukte wie "aller Welt" schriebe, denn das würde ja keiner benutzen, heutzutage.

 

Und dann muss ich nicken - aber da es eine innere Stimme nur ist, nicke ich dann doch nicht. Stattdessen schiebe ich die Tastatur ohne Kabel auf meiner Schreibtischplatte ein Stück nach rechts.

 

Das ist eine dieser hilflosen Gesten, die meist nichts erbringen. Auch wenn ich dann aufstehe und nach links und rechts schaue, oder mich gar beuge, in der Idee mich zu strecken - dann bringt das auch nicht sehr viel.

 

Eigentlich bringt alles nichts - am wenigsten meine Worte. Und schon stehe ich vor dem Monitor, starre halbschräg nach unten und bin manisch von der Idee besessen, nun alles endgültig zu löschen.

 

Und dann kommt natürlich, es war ja wieder zu erwarten, wieder mal eine innere Stimme, derer ich wohl viel zu viele habe, und die sagt nun: "Nein, nein, du darfst es nicht löschen, Klausens. Du weißt nie, wozu es gut ist."

 

Dann höre ich meinen Namen, und ich merke, dass ich ja schon einen Künstlernamen habe. Dies bedeutet doch, dass ich schon irgendetwas geschrieben haben muss. Denn einen Künstlernamen ohne jegliche künstlerische oder schriftstellerische Produktion werde ich wohl kaum haben.

 

Sofort werde ich etwas ruhiger, weil mir dieser Gedanke Sicherheit gibt. Ich schaue dann auf meiner eigenen Künstlerhomepage herum und entdecke unterschiedliche Texte und Textsorten. Dann lese ich hie(r) und da in meine eigenen Texte hinein und denke: "Das habe ich geschrieben?" - "Das soll von mir sein?" Und die innere Stimme Nr. 5 oder Nr. 6 sagt sofort: "Aber ja, es ist von dir!"

 

Ich schüttele mit dem Kopf und überlege, warum ich diese Texte früher auch schon nicht löschte. Und langsam stelle ich fest, dass ich ein Problem habe. Es wurden bereits viel zu viele Texte von mir geschrieben, die dann niemals von mir gelöscht wurden, obwohl einzelne innere Stimmen dafür eintraten.

 

Ich aber widerstand diesen inneren Stimmen, weil ich mich als Kämpfer in wilder See erweisen wollte, als Kapitän Ahab der modernsten Literatur, eben, weil ich so voller Stolz war - ein Stolz, der alle mein Selbstzweifel wegdrücken sollte.

 

Und so ließ ich alle diese Texte stehen, was auch jetzt dazu führt, dass ich diesen Text, den ich da schrieb, und der mir auch von inneren Stimmen madig gemacht worden war, dann auch stehenließ.

 

Denn erstens konnte ich nicht so einfach dem Druck der Straße, also des Monitors, nachgeben, der als "innere Stimme" getarnt immerzu auf mich einredete, und zweitens hatten ja die bislang veröffentlichen Texte schon eine Gesetzmäßigkeit heraufbeschworen, der ich mich nicht mehr zu entziehen wusste.

 

Nur deshalb also hat dieser Text seine Berechtigung. Und wo er nun schon einmal da ist, also hier steht, abgedruckt, sauber, gekantet und geglättet ... muss ich ihn wohl auch stehen lassen. Man kommt aus diesem Kreislauf gar nicht mehr heraus.

 

Text und Homepage begonnen am 22.1.2007, Dienstag,  Königswinter-Oberdollendorf,

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