Für Klausens erfolgt das teilweise Mitfilmen der Performance
am 30.4.2009 in Rolandseck Arp Museum und Drumherum unter der Devise:
"Das war ein Ehrendienst von mir. Von Künstler zu Künstler!". Dafür
lieben und loben wir ihn, ja, wir laben uns auch an ihm. KLAUSENS ist KLAU/S/ENS - und schon deshalb wundervoll.
Copyright Klau|s|ens in allen Schraib- und Schreibweisen, u.a. als
Klau*s*ens oder Klau?s?ens oder Klau!s!ens, LIVE geschrieben am Donnerstag,
30.4.2009, im und um das Museum ARP MUSEUM
ROLANDSECK.
AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG:
Jonathan Meese, "Erzstaat Atlantisis", (1. Mai bis 30. August 2009).
Hier: PERFORMANCE von Jonathan Meese, geplant ab
15:30 Uhr. Schon vorher begonnen.
LIVE
gefilmt von KLAUSENS. Am 30.4.2009.
COYPRIGHT
FÜR ALLE VIDEOS: KLAUSENS in allen Schraibwaisen und
Schreibweisen, u.a. als
Klau/s/ens oder Klau"s"ens oder Klau:s:ens.
Copyright
Klau|s|ens = Klausens, Homepage-Site begonnen am 3.5.2009, Sonntag,
in
Königswinter-Oberdollendorf, ins Netz gestellt am Sonntag, 3.5.2009
Jonathan
Meese gilt Kunstkennern als einer der bedeutendsten Künstler der
Gegenwart. Jetzt hat Meese eine neue Aufgabe gefunden: Er gibt den
Diktator des fiktiven "Erzstaates Atlantisis" im Arp Museum in Remagen.
Dort ist die erste, nahezu lückenlose Retrospektive auf sein
bildhauerisches Werk zu sehen.
Am Eingang zum Erzstaat
Atlantisis grüßt Marschmusik. Zwischendurch
spricht der Staatenlenker seltsame Sätze vom Band. "Du hast einen
hübschen Lolli - aber du hast leider keinen Humor." Gleich treffen wir
den Staatenlenker. Er wartet im Obergeschoss. Im Lichtschacht neben dem
gläsernen Fahrstuhl liegen Skelette. Die Demokratenfamilie. Man braucht
Humor. Oder viel Verbitterung. Der Staatenlenker trägt beides in sich.
Der Fahrstuhl wuchtet den Menschen 40 Meter in die Höhe und speit ihn
direkt vor ein Standbild des Staatenlenkers. Bronze. Schrumpelig.
Verwachsen. Daneben: Der Staatenlenker. Und das Volk, das in seinen
Staat drängt, den Erzstaat Atlantisis, die Diktatur der Kunst. Der
Staatenlenker ist - Jonathan Meese.
"Atlantis
ist der total rechtsfreie Raum. Atlantis ist nicht untergegangen,
sondern hat sich getarnt. Seit der Dalai Lama im Spiel ist, ist eben
Atlantis weg. Die Reise ins Innere, die endet immer mit dem Tod. Das
ist ein Synonym für den Tod. Und wenn irgendein Prediger oder Prophet
oder Guru einem die Reise ins Innere anbietet, dann bietet er den Tod
an."
Erzstaat Atlantisis, eine Statistik: Das
Staatswesen wird zusammengehalten von 170 Plastiken und Skulpturen, 14
Gemälden, elf Künstlerbüchern in Vitrinen, zehn Filmen, vier
Klangquellen und einer Großcollage. Daraus hat Jonathan Meese die neue
Welt geschaffen, die von außen wie das Arp-Museum aussieht, innen aber
wüst und brachial und obszön und schroff ist und voller Penisse.
Pimmel. Schwänze. Das primäre Geschlechtsmerkmal des Mannes, bronzehart
oder mit weichem Strich gemalt, immer aber übergroß, scheint diese Welt
zusammenzuhalten.
"Das ist so
ein mieser Mythos, der mir auch immer angedichtet wird: Ich sei ein
Spinner. Verrückt. Total genial. Dilettantisch. Geil.
Widerlichblödperversobszön - nur das Menschen-Ich ist obszön! Ich liebe
Pornographie, das was als Pornographie bezeichnet wird. Deshalb bin ich
sehr oft in Erotikshops. Ich habe aber noch nie etwas pornographisches
dort entdeckt. Ich sehe nur Spielzeug. Ja, aber wenn ich morgens in den
Spiegel gucke und mich zum Gesetz für andere mache, da sehe ich das
Obszönste, das Widerwärtigste und Ekelerregendste! Und da führe ich den
totalen Krieg gegen mich selber. Der totale Krieg gegen dich selbst,
der ist total gerecht. Du selber bist der Feind, gegen den du vorgehen
musst! Du musst auch liebevoll mit dir sein, kannst ja auch mal
ausschlafen und dich wieder beruhigen. Aber es gibt heute keinen Feind
mehr außerhalb von einem selber."
Ohne Fremdenführer
wird es schnell unübersichtlich in diesem Erzstaat Atlantisis, den
Jonathan Meese am idyllischen Ufer des Rheines errichtet hat. Zu viele
Anspielungen, zu viele Zweideutigkeiten, zu oft die Frage: Meint der
das so, der Staatenlenker Meese? Er müsste jeden Tag jeden Einzelnen
durch dieses Staatengebilde führen, dann würde es verständlich. Aber
dazu hat der Staatenlenker Meese keine Lust, er muss weiter an seinem
Staat, seiner Welt bauen. Der zweitbeste Führer, der sich
möglicherweise finden lässt, um den Weg durch Atlantisis zu finden,
gilt außerhalb davon als Kurator und heißt Daniel Schreiber. Und er hat
viel Nietzsche gelesen.
"Sterben,
geboren werden, sterben, geboren werden. Es gibt sozusagen keinen
Himmel, es gibt keine Götter - also das hat dieser Alleszerfleischer
Nietzsche gesagt. Und möglicherweise ist also eine gute Portion von
dieser Metaphysiklosigkeit auch im Werk von Jonathan Meese, also es ist
der leere Erzraum, den Sie auch selber mit Ihrer Utopie füllen können.
Also das ist jetzt mein kuratorisch-theoretisches Konzept und ich kann
jetzt gerne dir das Feld überlassen. Vielleicht sagst du auch was zu
den einzelnen Skulpturen?
" Klar!"
Aber
natürlich sagt der Chef von Atlantisis nichts zu den einzelnen
Skulpturen. Wieso auch? Ihm geht es nicht um das einzelne Werk, das nur
ein Krümel im Großen, Ganzen sein kann. Ihm geht es um - Kunst. Und um
deren Diktatur, die die totale Freiheit bedeutet. Vor allem die totale
Freiheit von der Realität.
"In
der Kunst gibt es keine Opfer und keine Märtyrer. Das gibt es nur in
der Religion und in der mickrigen Realität. Und die Kunst muss so stark
werden, dass sie diese mickrige Realität verdrängen kann, um einen
neuen Nullpunkt zu schaffen. Eine neue Zeitrechnung muss beginnen, wo
die Kunst herrscht, wo etwas beginnt, was wir noch nicht wissen. Viele
sagen: "Öh, das können wir uns nicht vorstellen, ja was soll denn das
sein?" Ich kann es mir auch nicht vorstellen, niemand kann es sich
vorstellen."
Was man sich nicht vorstellen muss, sondern
unabweisbar als Realität, die Realität außerhalb des perfekten,
wahnsinnigen, visionären, ordinären, unreglementierten Erzstaates
Atlantisis zur Kenntnis nehmen muss, das ist das Leben draußen, in das
die Gäste - und mehr als ein Gast kann man nicht sein - von Meeses
Künstlerstaat entlassen werden, wenn die Audienz vorbei ist. Dort
sitzen dann beispielsweise angejahrte Kurgäste auf Parkbänken, führen
beiges Popeline und kleine Hunde spazieren und haben keine Ahnung, dass
dort drinnen, im Arp-Museum hoch über dem Rhein, ein neuer, vielleicht
ein besserer, auf jeden Fall ein spannenderer Staat ausgerufen wurde
als der, dem sie ihren Kuraufenthalt in Bad Breisig zu verdanken haben.
Den Gedanken findet Oliver Kornhoff, der Direktor des Arp-Museums und
derzeit so etwas wie der atlantisisische Botschafter in der
Bundesrepublik, naheliegend. Aber falsch. Auch dort draußen, in der
mickrigen Realität, sei der Staatenlenker Jonathan Meese ein
überzeugender Abgesandter seines Erzstaates Atlantisis.
"Ich
glaube, Jonathan Meese würde liebend gerne mit alten Muttchens, die
ihren Spitz an der Leine führen, auf der Parkbank sitzen und ihnen
genau das gleiche erzählen, was er uns heute erzählt hat. Und ich bin
sicher, die Muttchens würden einen Großteil von dem auch verstehen -
nicht weil sie sich für Kunst interessieren, aber weil sie die Energie
und die Leidenschaft spüren und weil sie die Ernsthaftigkeit spüren,
die hinter dieser ganzen verbalen Eruption steckt."
Der exzentrische Künstler
Jonathan Meese
stellt im Rolandsecker Arp-Museum 210 Arbeiten aus, darunter Bronzen,
Gemälde und Videos. Bei der Schau des „neurotischen Realismus“ tritt
auch Meeses Mutter für eine Lesung auf.
ROLANDSECK - Gesetzt den Fall, man könnte Dali und Didi in
eine
„Verwurschtelungsmaschine“ geben, dann könnte es sein, dass Jonathan
Meese herauskäme. Anders herum gewurschtelt: ein bisschen Immendorff,
reichlich dazu von den Geisterbahnen auf Pützchens Markt, alles mit
leicht angegorener Pubertätssoße übergossen - und wieder hätten wir
einen Jonathan Meese.
Das
Arp Museum in Rolandseck setzt nach seiner zähen Verwaltung von Mängeln
nun auf Sensation, indem es den skandalumwitterten Magier eingeladen
hat. Nette kleine Erschießungsszene (aus Bronze) auf der grünen Wiese,
während sich im untersten Grund unter dem Fahrstuhl die schneeweißen
Skelette sammeln, Abgesang auf die „Demokratenfamilie“, denn die
Demokratie lehnt der neue Heilsverkünder im gleichen Zug ab wie
Faschismus, Diktatur und alle Parteien. Stimmt nicht ganz, eine
Diktatur wünscht er nämlich sehnlichst herbei, die „Diktatur der
Kunst“, wohlgemerkt nicht aber die der Künstler.
Und die gibt es
natürlich nur im „Erzstaat Atlantisis“ mit 210 Arbeiten, darunter 53
Bronzen, 40 Gemälden, „Klangwellen“ im Fahrstuhl, Videos,
Bühneneinbauten und Künstlerbüchern (kuratiert von Daniel J. Schreiber).
Hitlerstalinnietzsche
Öffnet
sich der Fahrstuhl, wird man empfangen vom Meister des „neurotischen
Realismus“ selbst, personifiziert als Aristokratenkiller Saint Just,
eine Bronze in Lebensgröße, die Hand zum Hitlergruß erhoben. Ein Stück
weiter Napoleon, ein „Stalinnietzsche“-Kopf oder ein Zeus, alles in
klumpig aufgeflockter Manier in Bronze gegossen. Der 1970 in Tokio
geborene und ohne Vater (aber mit Mutter!) nach Deutschland
Zurückgekehrte liegt wohl immer noch im Clinch mit einem durch die
Vaterfigur geprägten „Über-Ich“. Und dazu zählt schließlich die gesamte
Kultur. „Vampirisis mit Lollysäugling“ oder auch „Maul auf, Lolly rein,
Revolution raus“ erzählt da etwas von einem embryonalen Zurückwünschen,
das man dem kraftvoll vitalen Mann mit der dunklen Brille, den langen
schwarzen Locken, dem kleinen Schnäuzer und dem neckischen
Ziegenbärtchen gar nicht zutraut. Schon im Outfit „verwurschteln“ sich
die Fragmente, und wenn der selbst ernannte „Erzkünstler“
charismatischen Blödsinn redet, beschwört er selige Fluxuszeiten.
Als
„Ameise“ bezeichnet er sich gern. „Ich muss eben loslegen und bin
dankbar, dass mir die Weltformel geschenkt wurde in Form von Quadrat,
Kreis und Linie.“ Da gibt es allerdings drei schwarz gemalte
Unheimlichkeiten, die an Antonio Saura erinnern, daneben
unübersichtlich Bunt-Phantastisches wie x-mal übersprayte Wände. Wir
wollen seine Mutter nicht vergessen, die für den Schulversager einst
sogar die Zeichnungen für den Zeichenunterricht angefertigt hat, und
die dem Sohn, der gegen alle Ausbildungsversuche resistent war, zum 22.
(!) Geburtstag einen Block und Farbstifte geschenkt hat, Startschuss
für einen zur Zeit höchst gefragten Künstler. Die Mutter sagte auch:
„Bis vor sechs Jahren glaubte mein Sohn noch an den Osterhasen.“
Und
der Sohn sagt, wenn er Mama nicht mehr hätte, ja, dann würden
schreckliche Dinge passieren. Mutter Brigitte Meese wird übrigens am
19. Mai (16 Uhr) Geschichten von Atlantis vorlesen.
Bis 30.8., Di-So und an Feiertagen 11-18
Uhr. Hans-Arp-Allee 1, Remagen, Katalog in Vorbereitung.
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