Ein
Künstler von Welt und Weltkultur muss sich dem kleinen Mann und der
kleinen Frau zuwenden, auf dass diese beschützt werden ... vor den
Bösartigkeiten und Verbrechen eines kaum nutzvollen Kapitals. Aus
diesem kühlen Grunde hat der Künstler am 29.5.2009 demonstrativ bei
KARSTADT
eingekauft. KLAUSENS hat sich dem darbenden Volk durch seine
Kunstaktion zugewidmet. KLAUSENS ist groß, weil das Kapital klein und
mies ist. (An diesem 19.5.2009 war der KARSTADT-Aktionstag in ganz
Deutschland. KARSTADT bzw. der Mutterkonzern ARCANDOR will/wollen Geld
vom Staate: 650 Millionen Bürgschaft und 200 Millionen von der KfW. Es
droht der Konkurs, aber das nur, weil Manager den Konzern dahin
getrieben haben.) -
Auf dieser Homepage werden die Texte und Bilder und Dokumente zu dieser
klausensischen Großmut-Kauf-Kunst-Aktion versammelt. (Am 9.6.2009
melden die Medien, der Konkursantrag für den Mutterkonzern ARCANDOR ...
und eben auch KARSTADT ... sei erfolgt. Der Kampf des Künstlers für die
Arbeitsplätze geht weiter.)- Am 3.9.2010 wurde bekanntgegeben, dass die
Übernahme durch den Milliardär Berggruen stattfinden kann. Eine
Einigung über die Miete für die Häuser war doch noch erfolgt. Der
Insolvenzverwalter Goerg musste den Konzern deshalb nicht zerschlagen.
Der Kampf von KLAUSENS war erfolgreich.
klau|s|ens , hast du dich gestern wieder mal aufgeopfert? als künstler?
für die kleinen leute, die um ihren arbeitsplatz bangen?
ja! - ich weiß, ich weiß,
zweitklausens: ich gelte als "künstler des volkes".
du hast dich für die einfachen leute eingesetzt?
aber ja: gestern führte
ich wieder eine meiner gefürchteten und geachteten kunstaktionen durch.
was tatest du?
zweitklausens, wir! - du
bist doch immer dabei! - "was
taten wir?", müsstest du
fragen! - also: es war folgendes: gestern war der aktionstag der
KARSTADT-beschäftigten.
wogegen?
sie kämpfen für den
erhalt ihrer arbeitsplätze, die durch missmanagement in gefahr geraten
sind.
was wollen sie?
sie
wollen, dass der staat diese bürgschaft gibt, von 650 millionen ... und
dann noch den kredit der (irgendwie ja auch staatlichen) KfW-bank über
200 millionen. das alles also, damit KARSTADT nicht untergeht. (und sie
wollen genauso viel aufmerksamkeit wie OPEL.)
und nun?
nun habe ich als künstler
aller zeit dieses begehren der einfachen KARSTADT-leute unterstützt.
wie denn?
ich habe gestern
demonstrativ bei KARSTADT gekauft. (gestern war ja auch deren
AKTIONSTAG.)
wirklich?
aber ja: ich habe gestern
demonstrativ 4 T-shirts eingekauft, denn ich wollte KARSTADT retten.
ein künstler kauft ein? und das ist die kunst?
das ist die wahre größe
der aktionskunst eines klau|s|ens.
und nun?
nun wird alle welt sagen:
"klau|s|ens rettet KARSTADT".
ist es denn so?
aber sicher. ich habe
mich in den AKTIONÄRSGEDICHTEN ARCANDOR (http://www.klausens.com/aktionaersgedichte-arcandor.htm)
kritisch mit dem kapital auseinandergesetzt, welches KARSTADT besitzt
und regiert. und gestern habe ich für die beschäftigen durch meinen
kauf die rettung herbeigeführt.
wahrhaft ein künstler des volkes! - hast du auch unterschrieben?
ja, ja, aber ich weiß
nicht genau was, denn der text war so lang.
hast du für dr. eick unterschrieben?
du
meinst den vorstandsvorsitzenden? von ARCANDOR? der von KARSTADT heißt
ja herzberg. - so etwas wollte ich vermeiden: bloß nix "pro
management".
wieso auch? - ich wollte nur für den erhalt der arbeitsplätze
unterschreiben. aber der text war sehr lang. ich konnte nicht genau
ermessen, wofür ich unterschreibe.
aber unterschrieben hast du dann doch?
das ist eine
güterabwägung: sollte ich kleinlich den text analysieren, oder ging es
mir um die sache.
worum ging es dir?
um die sache! um die
menschen! um das volk!
du bist wahrhaft ein "volkskünstler!"
ich weiß, ich weiß. am
ende werden sie mich dafür verehren, wie sie heute den heiligen judas
thaddäus verehren.
was ist denn mit dem?
das
ist ein heiliger, der sich aller möglichen sorgen annimmt, wenn man
nicht mehr weiß, wo man diese lassen soll. also der restheilige!
jenseits von bonifatius, nikolaus und adelheid ... und wie sie alle
heißen.
du wechselst das thema.
du
hast recht. mir fiel nur auf, dass der zettel, den man mir verteilte,
von hans-michael breitgraf unterschrieben war, filialgeschäftsführer
von KARSTADT bonn. ("im
Namen aller Karstädterinnen und Karstädter aus Bonn".)
das bedeutet?
das
hier kapital und arbeit seltsam zusammengehen. die unterschriftenliste
hielt mir nämlich der betriebsrat oder personalrat oder wie der heißt
entgegen. plötzlich sind alle "eine familie" - das ist immer verdächtig!
ist das nicht ein alter traum. KAPITAL und ARBEIT hand in hand?
ja,
ja, aber dieses KAPITAL hat ja erst dazu beigetragen, dass die
arbeitsplätze so hochgradig gefährdet sind. man müsste das alles mal
ganz genau untersuchen.
es heißt doch immer thomas
middelhoff, der ex-vorstandschef von ARCANDOR (ARCANDOR ist das das
dach für KARSTADT, THOMAS COOK und PRIMONDO), der sei alles schuld.
das ist doch viel, viel,
viel zu einfach. aber wen interessiert schon die wahrheit?!
dich!
du bist doch der "volkskünstler" und "retter von KARSTADT". über deinen
einkauf vom 29.5.2009 wird man noch jahrhunderte reden.
Sonntag, 31.05.2009
klau|s|ens rettet weiterhin KARSTADT -
www.klausens.com
klau|s|ens, du kämpfst immer noch für KARSTADT? selbst am
pfingstsonntag?
nein und ja.
ja, weil ich immer noch
kämpfe. nein, weil ich nicht "für KARSTADT" kämpfe.
wofür kämpfst du denn?
ich kämpfe für die
arbeitsplätze der beschäftigen von KARSTADT. ich kämpfe für die kleinen
leute. ich kämpfe für das volk.-
nicht für die manager, die sich
bereichern und dafür zudem noch alles in den sand setzen. nicht für die!
das lässt sich bisweilen kaum trennen.
ich
weiß, leider, leider, also muss in den sauren apfel beißen und
letztlich "ganz KARSTADT" unterstützen. aber ich tue es mit der
einschränkung, die nun bekannt ist.
es gibt vorbehalte gegen den erhalt von KARSTADT.
ich
weiß, ich weiß: diese vorbehalte haben ja recht. die idee ist: der
staat kann nicht in alles und jeden eingreifen. er kann nicht alles und
jeden schützen.
das sagt z.b. die CDU-mittelstandsvereinigung.
ich habe das gelesen. ich
stimme dem zu - und wiederum nicht.
wieso?
man
muss prüfen, was was zur folge hat. beispiel saarland: da gab es vor
jahren auch die diskussionen. also: wenn ich ein stahlwerk zumache,
mache ich die ganze stadt aus. das muss ich abfedern, als
verantwortungsvoller politiker. genauso ist es mit der kohle. wir
kennen die diskussionen aus dem ruhrgebiet. wichtig ist: ich darf nicht
über nacht eine ganze regio auf "aus" setzen. das hat fatale folgen, da
kippen ganze städte um. das sind brutstätten für chaos und kriminalität
und gewalt.
und nun?
nun muss ich das immer
prüfen.fall
für fall! (außerdem ist der staat ja selber pleite! das wird auch gerne
vergessen!)
und KARSTADT?
KARSTADT
hat eine symbolische funktion für viele innenstädte. ist KARSTADT weg,
sind viele innenstädte dann halbleer und auch weg. dazu die
arbeitsplätze.
und HERTIE?
hertie
ging in eine ähnliche richtung. aber man merkt: es wird ein fass ohne
boden. wir können mehr und mehr namen nennen. überall wird geschlossen.
WOOLWORTH wäre auch zu nennen.
und OPEL?
da
hängen 4 städte in deutschland dran. bochum hat schon viel gelitten,
unlängst wegen NOKIA. man kann nicht ganze städte verelenden lassen.
und oberhausen?
da
hat man es ohne grund selbst gemacht. man hat das CENTRO gebaut, das
kalte, fiese ding, und hat die innenstadt von oberhausen aufgegeben.
und was ist mit dem strukturwandel?
den
darf man nicht durch staatliches eingreifen andauernd behindern. das
ist mir auch alles klar. man dreht es, man wendet es: man weiß, dass
jede lösung falsch ist.
was ist mit dem mittelstand?
der
wird vergessen: wenn in einer 8.000-stadt ein betrieb mit 200
arbeitsplätzen schließt, dann ist der untergang für diese kleinstadt.
und das geht auch nicht. das ist KARSTADT im kleinen. aber keiner hilft.
dann muss der staat auch dem mittelstand helfen?
eigentlich ja, nach
einzelfallprüfung.
aber was sind 200 arbeitsplätze gegen 50.000?
alles
ist das gleiche, denn 250 x 200 sind ja auch 50.000. nur für die
politiker wird es mühsam: sie müssten 250 mal helfen, mit krediten und
bürgschaften und verhandlungen. bei KARSTADT machen sie das in einem
rutsch für bis zu 50.000 leute, oder 36.000 arbeitsplätze, oder wieviel
das genau ist. ist ja letztlich auch wurscht.
da hast du aber jetzt vieles gesagt.
eben: ich verstehe beide
fraktionen: die gegen-hilfe-fraktion und die für-hilfe-fraktion.
aber die für-hilfe-fraktion wird jetzt stark von der SPD rausgekehrt.
im fall KARSTADT.
sicher,
denn die SPD möchte sich rechtzeitig vor den wahlen (die ersten sind ja
am 7. juni) als held der arbeiterklasse und der
kleinen-angestellten-kaste aufspielen.
nimmst du der SPD das ab?
nein, die SPD hat das
volk schon lange verraten. mit HARTZ-IV hat die SPD alles falsch
gemacht, was man falsch machen kann.
und nun?
nun müssen die künstler
dem volk helfen. die volkskünstler. die "ritter des anständigen seins".
also, du klau|s|ens?
u.a., aber auch du,
zweitklausens. auch du.
du hast dich am KARSTADT-aktionstag beteiligt?
ja,
ich habe demonstrativ bei KARSTADT gekauft, habe die
unterschriftenliste gezeichnet, und ich habe das kunstwerk hier unten
heute erstellt.
was ist da drauf?
ein
foto vom aktionstag in bonn, das etikett des T-shirts, welches ich
demonstrativ kaufte, und mein klausenslogo für den monat mai.
was hast du noch zu bieten?
ein LIVE-gedicht.
welches?
KONKURSGRUND
KONSUMENTENFRÜHLING
Bei
KARSTADT Überschlagen Sich
alle in Freundlichkeit Als
wäre der Nächste
Flip Flop
weit unter Ihren
Möglichkeiten
Copyright
Klau|s|ens in allen Schraibwaisen und Schreibweisen u.a. als Klausens
oder Klau(s)ens oder Klau&s&ens, LIVE geschrieben, am
Freitag,
29.5.2009, im KARSTADT Kaufhaus Bonn, Poststr. 23, 53111 Bonn, gegen
13.00 Uhr. KLAUSENS kaufte 4 T-Shirts und einen Spargeldoppelschäler
als künstlerischen Aktions-Beitrag zum Erhalt der Arbeitsplätze.
KLAUSENS wurde überaus freundlich bedient. So freundlich wie noch nie.
(Anmerkung: Flip Flops sind auch Schuhe, bzw. Badelatschen, nicht nur
eine künstlerische Hochleistung, die das einfache Überschlagen noch
überbietet.)
wir kämpfen gemeinsam für KARSTADT, klau|s|ens!
ja,
zweitklausens, wir beide!
Montag, 01.06.2009
klau|s|ens kämpft immer noch für
KARSTADT - www.klausens.com
klau|s|ens, du schreibst und tust und machst ... immer noch für
KARSTADT???
ja,
ich habe ausdauer und beständigkeit. aber mir geht es nicht um
KARSTADT, sondern die mitarbeiterinnen und mitarbeiter von KARSTADT.
ich möchte, dass man ihnen helfen kann, wenn man ihnen helfen kann.
KARSTADT ist für mich ein symbol. und KARSTADT schließt HERTIE und
WOOLWORTH gedanklich mit ein. also alle diese menschen.
du möchtest also in den strukturwandel der wirtschaft eingreifen?
eigentlich
nein. andererseits bin ich kein anhänger der "regelung" des "freien
marktes", der dann dann ganze innenstädte veröden lässt. ich bin da
doch sehr gespalten.
bist du nun für oder gegen hilfen an KARSTADT?
ich bin für eine prüfung.
manche leute sagen, die frau schickedanz (QUELLE!) sitzt mit ihrer
stiftung zu 25 % in ARCANDOR.
und?
ARCANDOR ist der dachkonzern von KARSTADT.
und?
die
hat genug geld auf der kante. aber dieses will sie für
ARCANDOR/KARSTADT nicht einsetzen. stattdessen rufen alle nach dem
staat.
ja, das ist gewiss wahr
und richtig. und man muss diese moralische karte spielen, aber ...
aber? was denn?
unser
aktienrecht sieht ja leider genau das vor: du hast aktien, und nur
diese aktien gehören zu der firma. dein sonstiges geld und kapital hat
mit der firma nichts zu tun. man kann also der schickedanz-stiftung und
frau schickedanz nichts vorwerfen, weil sie genau das machen, was das
aktienrecht will.
und was will dieses?
....
dass leute da und dort geld investieren, aber nie mit ihrem
privat-vermögen reingezogen werden. das ist der kapitalismus. bei der
GmbH ist es ja genauso: gesellschaft mit beschränkter haftung. wenn
diese pleite geht, bekommst du als schuldgeber nichts, außer der
GmbH-Einlage. mehr ist nicht zu holen, falls überhaupt.
aber ich denke, die müssen immer privat bürgen, mit ihrem besitz, diese
GmbH-ler?
es
gibt welche, die bekommen kredite für ihre GmbH nur, wenn sie mit ihrem
privaten besitz (z.b. dem wohnhaus) bürgen. aber das hat etwas mit
krediten zu tun. formal haftet die GmbH nur mit der einlage, die für
die GmbH hinterlegt ist. sind 50.000 € hinterlegt, ist nicht mehr
GmbH-besitz da.
was soll das alles?
ich
wollte dir nur erklären, wie der kapitalismus das alles sieht. das
bankhaus sal. oppenheim ist ja auch mit rund 25 % oder so bei ARCANDOR
beteiligt. dieses bankhaus hat auch verdammt viel geld, wenngleich die
jetzt hier und da schwierigkeiten bekamen, wegen der finanzkrise. auch
die könnten doch weiter zuschießen.
und?
auch
die werden sagen: das aktienrecht sieht es nicht vor. wir sind doch
nicht blöd! - das aktienrecht sieht unseren aktienanteil vor. für den
wir haften wir, für den bürgen wir, für den haben wir macht im
aufsichtsrat und in der aktionärsversammlung. aber mehr ist nicht
vorgesehen.
dann sind diese rufe also moralische rufe?
man
kann es so sagen, ja. immer mehr leute greifen nun die wirtschaft
moralisch an, darunter auch künstler und naivlinge wie wir.
und?
es
wird sich nichts ändern - das ist doch klar! kleine verschiebungen, nun
gut. aber der kern der "ewigen verwerflichkeit im sinne von
verworfenheit", der bleibt.
also kein anstand? keine sitte? keine moral? kein mitempfinden? keine
sorge um die nöte der arbeitenden menschen?
ich würde eher sagen:
nein. nach dem, was ich weiß und was ich sah: nein.
was soll dann alles?
ist
das leben nicht ein sinnloses rad? und versuchen nicht alle menschen,
diesem dreh'n der sinnlosigkeiten doch noch etwas sinn abzuschöpfen?
bei dir auch?
bei uns, zweitklausens.
wir retten KARSTADT, weil wir "künstler des volkes" sind. nicht mehr,
und nicht weniger.
und das herz?
das herz? das ist doch
teil einer KARSTADT-image-kampagne, die "60
Jahre Bundesrepublik"
nun ganz taktisch fies ausnutzt, um in etwa zu sagen: "KARSTADT gehört
zu deutschland einfach dazu! immer schon!", was wiederum heißt:
KARSTADT darf nicht untergehen.
die machen also eine 60-jahre-BRD-image-kampagne, um dann leichter an
bürgschaften und kredite vom staat zu kommen?
aber
klar: es ist alles ein gigantisches spiel. man muss es erst
durchschauen, und dann überlegen, was man macht. wie man reagiert.
das herz kommt nicht von herzen? wie schrecklich? alles abgekartet? was
macht man denn da?
ich
habe mich als künstler für die beschäftigten von KARSTADT eingesetzt,
nicht für das management samt vorstand herzberg und co. - auch nicht
für dr. eick von ARCANDOR. - ich meine die "normalen" leute mit
normalen gehältern und normalen sorgen. diese liegen mir am herzen.
aber wie bekamst du das herz da unten? jenes rote herz?
dieses
geplante und absichtsvolle herz von KARSTADT bekam ich dann als
belohnung, als ich beim aktionstag am 29.5.2009 meine unterschrift
geleistet hatte.
das ist ja alles ganz klar kalkuliert und scharf überlegt.
aber
sicher: überall wandeln lobbyisten und interessensgruppen. alle
menschen führen was im schilde. auch die samariter! auch die!
und du?
ich?
als "künstler des volkes"? ich erhoffe mir natürlich, dass ich durch
meinen einsatz zur rettung von KARSTADT dann BRD-hauskünstler dort
werde ... vielleicht auch für ganz europa ... und für ewig ausgesorgt
habe.
also ganz uneigennützig! du bist ja einer!
ja, ja, genau so, wie die
welt nun mal eben ist. ich passe mich da an.
und ich dachte immer, du wärest rein und gut, klau|s|ens, also ein
pendant zur jungfrau maria und allen ihren aposteln.
vielleicht
denkst du mal mehr über den "heiligen geist" nach. dann wirst du
begreifen, dass die kirche genauso funktioniert wie der fall KARSTADT.
überall gibt es absichten. und nichts kommt "von herzen".
klau|s|ens, du kämpfst immer noch für die beschäftigten von KARSTADT?
aber ja. auch für die
beschäftigten von HERTIE und WOOLWORTH und wie die kaufhäuser alle
heißen, die da in gefahr sind.
das zeigt deine größe.
als "künstler des volkes"
setze ich mich für die kleinen leute ein, aber nur für die.
was hast du heute in deinem blogg zu schreiben?
die
diskussion wird immer wilder. pro kredite und bürgschaften für ARCANDOR
und gegen kredite und bürgschaften für ARCANDOR, was ja der dachkonzern
zu KARSTADT ist.
und wer ist dagegen?
z.b. die
CDU-mittelstandsvereinigung.
FOCUS
schreibt z.B.: Der CDU-Abgeordnete Michael Fuchs sagte der „Rheinpfalz
am Sonntag“, die Schwierigkeiten von Arcandor hätten mit der
Finanzkrise nichts zu tun. Jetzt stünden das Bankhaus Sal. Oppenheimer
und die Familie Schickedanz als Eigentümer in der Pflicht, „die nicht
zu den Ärmsten der Welt gehören“. Er kündigte an, im Bundestag gegen
ein etwaiges Rettungspaket für Arcandor stimmen zu wollen und war der
SPD vor, nach dem Motto „Freibier für alle“ mit Steuergeldern um sich
zu werfen.
oho!
das
ist auch ganz klar: der mittelstand bekommt fast nichts, aber die
großen unternehmen alles. und heute ist es ja ganz egal, wer wie
gewirtschaftet hat - alle berufen sich auf die finanzkrise.
ist das so?
aber
ja: selbst der herr dr. eick von ARCANDOR sagte ganz frech: "bei uns
liegen alle voraussetzungen vor!" (das war im fernsehen. im
morgenmagazin von ARD und ZDF. ich glaube am freitag. ich zitiere
sinngemäß) - und von der SPD hat sich jetzt jemand aufgeregt, wer alles
nach staatlichen hilfen nun verlangt.
ich hörte, es sind 1100 bis 1200 bewerber. und der SPD-mann sagt, die
wollen nur an die billige kohle. das ist alles.
die
frage wäre ja, ob unternehmen, die staatliche bürgschaften (und
darüberhinaus kredite) verlangen, nicht im erfolgsfalle geld dafür
bezahlen. das wäre ja auch etwas.
du meinst eine art strafe, die aber dem volk der steuerzahler zugute
käme?
so
in etwa, ja, ja. es geht ja nicht, dass sich die auf kosten der
steuerzahler sanieren - und nachher bekommen die aktionäre wieder
dividende, und der staat muss eine anleihe nach der nächsten aufnehmen
bzw. auflegen, wofür wieder zinsen fällig wären. usw.usf.
oh, klau|s|ens, warum bist du nicht politiker?! deine vorschläge sind
klug und weise und sinnvoll.
ich
weiß: aber künstler und schriftsteller werden selten staatsführer ...
wenn man von einigen wenigen ausnahmen absieht. (z.b. vaclav havel.)
warum?
... weil sie auf ihre
eigene art die gesellschaft besser umwälzen können.
dann siehst du dich als als "energetische dampfwalze allen volkes
willens"?
schön
gesagt, schön gesagt. - anbei übrigens die quittungen und ein
preisetikett vom 29.5.2009, als wir bei KARSTADT bonn in form einer
weltbewegenden kunstaktion einen doppelspargelschäler und 4 T-shirts
kauften. (das war beim deutschlandweiten aktionstag der
KARSTADT-kaufhäuser.)
was hat es eigentlich mit dem doppelspargelschäler auf sich, den du
kauftest?
sie
schreiben "gemüse-doppelschäler" auf das etikett, aber es war im kern
ein spargelschäler, ja,ja ... also: beim spargelpflücken werden doch
teilweise beschämend niedrige löhne bezahlt. noch niedrigere als im
kaufhaus. da ist die grenze der grenze, die wir in deutschland kennen.
- andere länder kennen ja überhaupt keine grenze mehr im lohndumping.
die welt ist sowieso besinnungslos.
klau|s|ens, du bleibst unverbesserlich! denn bist die
besinnung in person!
wir,
zweitklausens, wir. (zum glück haben wir die quittungen aufgehoben,
damit alle welt nun von unserem engagement für das volk kenntnis
bekommen kann.)
Mittwoch, 03.06.2009
klau|s|ens rettet nun KARSTADT und
christoph daum - www.klausens.com
klau|s|ens, es ist der fünfte tag mit deiner KARSTADT-sache.
ich weiß: es langweilt
dich. aber den menschen hilft es nichts. (siehe: KLAUSENS RETTET KARSTADT)
die zeitungen berichten nur noch von ARCANDOR (= dachgesellschaft zu
KARSTADT) ... und von OPEL.
sicher, sicher, es
ermüdet. aber mun muss auch wissen: das volk darbt.
das volk darbt immer!
eben: egal ob SPD oder
CDU oder FDP oder GRÜNE ... oder wie sie alle heißen: das volk darbt!
und die reichen haben immer arbeit oder zumindest gut bezahlten spaß.
genauso.
und nun kommt der ARCANDOR-freche vorstand dr. gerhard eick und lässt
seine leute überall in der öffentlichkeit auftauchen.
wie denn?
nun AKTIONSTAGE
allerorten.rund
um ARCANDOR.
wo denn noch?
es sollen wohl nun die
mitarbeiterinnen und mitarbeiter von QUELLE (fürth) heute in nürnberg
auflaufen.
ist das auch ARCANDOR?
aber
ja: nur alles neu konstruiert: KARSTADT, PRIMONDO, THOMAS COOK - aus
diesem dreiklang besteht das alles, was wir früher u.a. mal als QUELLE
kannten. aber middelhoff hatte ja "umgebaut."
ich las es: dann war es ein "gesunder konzern"! ein witz!
ich las: wenn sie
THOMAS-COOK-aktien verkauften, könnten sie selber gelder aufbringen.
ich
las: dr. eick meint, der kurs von THOMAS COOK sei zu niedrig. wenn sie
die aktien verkaufen, dann sei es ein schlechtes geschäft.
deshalb
üben sie ja druck auf den staat und die öffentlichkeit aus und schieben
die armen beschäftigten wie schachfiguren über den parcours.
nun:
haben wir andere "witze": manager gehen in die öffentlichkeit und
benutzen dazu die mitarbeiterinnen und mitarbeiter und deren sorgen.
fies!
ich dachte, die haben herz.
wer
einige davon schon in natura erlebte, weiß, dass die zahl der "manager
mit herz" sehr klein ist. dr. eick hat nun seinen (erhofften)
persönlichen sanierungserfolg bei ARCANDOR mit den ängsten der
mitarbeiter verknüpft.
und mit dem staat.
eben:
denn der soll viel geld geben, wobei die masse ja "nur" bürgschaften
sind. sobald die konzerne aber kippen, sind diese bürgschaften dann
plötzlich bares geld, was aufgebracht werden muss. das ist auch bei
dieser OPEL-sache zu bedenken.
ach ja: es ist alles herrlich kompliziert.
darf ich es noch schöner
machen?
bitte!
1) der
"bürgschaftsausschuss von bund und ländern" hat schon getagt, wegen
ARCANDOR. dr. eick fand, da sei alles "gut gelaufen". 2) der lenkungsausschuss
des deutschlandfonds tagt noch. 3) der lenkungsrat des
deutschlandfonds tagt auch noch.
wer soll das alles verstehen? DEUTSCHLANDFOND? 100 milliarden für die
deutsche wirtschaft?
ja,
wer soll es begreifen? aber frau merkel versteckt sich jetzt dahinter
und sagt: wir warten ab, was die fachleute prüfen. dann erst kommt die
politik.
die welt ist eine "jauchzende unverständlichkeit".
danke, danke: schon
formuliert.
und was ist nun mit christoph daum?
das
ist der trainer, der nun geht, nachdem er tausende von treueschwüren
und hunderte von pressekonferenzen abwickelte: alles für den 1. fc
köln. und nun geht er. lächerlich!
was denkst du?
ich
denke, daum ist "verloren". er ist krank. er hat einen kaputten kopf
und eine kaum noch verhandene seele. er braucht unsere hilfe, der arme
mann!
was meint das?
er
ist völlig durchgedreht. diesen leuten darf man nichts und gar nichts
glauben. sie machen theatralische dinge - und sagen dies und meinen
jenes. machen pressekonferenzen vom krankenbett,
alles ist inszeniert, aber glauben darf man ihnen nichts. auch nicht,
dass köln eine "herzenssache" sei.
was ist es dann?
alles
ist nur schaum und gerede: fußball und wirtschaft und politik. das ist
der dreiklang der unehrlichkeit, an dem auch volkskünstler wie wir
verzagen.
ach, wie schlimm.
DAUM ist DOWN. wir müssen
ihn retten aus seiner einsamkeit in der stadt der verlorenen seelen.
klau|s|ens
rette ihn! den daum - und rette KARSTADT, also die arbeitsplätze der
kleinen leute. tue alles für diese menschen. aber nur für die. nicht
für die kalten manager.
aber daum gehört eher zu den managern als zum volk. was machen wir nun?
wir sollten den klausens-umlenkungsrat und den
klausens-andenkungskreis diese woche noch einberufen. sie sollen
entscheiden.
(Flugblatt
vom 29.5.2009, zumindest hat es KLAUSENS dann bekommen)
Montag, 08.06.2009
klau|s|ens immer noch solidarisch mit
KARSTADT - www.klausens.com
klau|s|ens, deine solidarität mit KARSTADT? gilt die noch? kämpfst du
immer noch?
ungebrochen,
zweitklausens. bei dir hoffentlich auch! - ich kämpfe allerdings für
die einfachen mitarbeiterinnen und mitarbeiter von KARSTADT, nicht für
selbstsüchtige und sich bereichernde manager. für die trete ich nicht
ein.
du weißt, dass man thomas middelhoff vorwirft, er
habe damals alle KARSTADT-immobilien nur verkauft, um sich dann selber
daran zu beteiligen?
ich wusste, dass er an
einigen KARSTADT-immobilien beteiligt ist, weil ich doch auf der
aktionärsversammlung von ARCANDOR war: http://www.klausens.com/aktionaersgedichte-arcandor.htm
- aber ich kenne nicht das wahre ausmaß. ich dachte, er ist mit seiner
frau direkt an einzelnen warenhäusern beteiligt, also den immobilien.
nun las ich, er ist auch am esch-oppenheim-fonds beteiligt, der
wiederum den großteil der warenhäuser-immobilien übernommen hatte.wenn das stimmt, dann ...
und KARSTADT zahlt nun horrende mieten.
das
sind die üblichen tricks. (warum hat man eigentlich nicht direkt den
steuerzahler bluten lassen? man hätte die KARSTADT-häuser damals doch
als "gemeinnützige anstalten" ausgeben können, den öffentlichen
schwimmbädern gleich - und dann vom staat stütz-gelder und beihilfen
beantragen können!)
du hast immer so schöne ideen. klau|s|ens.
nun ist middelhoff reich,
nicht mehr im amt - und heute droht der konkursantrag.
die mitarbeiter von KARSTADT haben mit mahnwachen begonnen.
und sie haben die
schaufenster verhängt, damit wir wissen, was die innenstädte sind, wenn
KARSTADT nicht mehr existiert.
ich
kämpfe für alle einfachen leute, ob sie bei KARSTADT oder bei HERTIE
oder bei WOOLWORTH arbeiten. KARSTADT ist für mich nur das aktuelle
symbol.
im
rahmen dieser kunstaktion werde ich heute auch mein
blog(g)-schaufenster verhängen, damit die welt weiß, was sie an
klau|s|ens hat.
klau|s|ens rettet KARSTADT (aber nicht
vor dem konkurs) - www.klausens.com
klau|s|ens, deine rettungsaktion war erfolglos?
das kann man so nicht
sagen. ich konnte nur den konkurs nicht abwehren.
wieso?
er
wurde heute angemeldet, für ARCANDOR, für KARSTADT, und wohl für
QUELLE; aber nicht für THOMAS COOK, und nicht für den
HSE-shopping-sender. alles etwas kompliziert. das kommt durch das
verschachtelte von ARCANDOR.
aber dennoch konkurs? für KARSTADT?
die
beiden kreditantragsvarianten waren seitens des bundes abgelehnt worden
- und gab es noch die chance, dass die aktionäre, z.b. von
den
großeignern sal. oppenheim oder von der schickedanzgruppe, deutlich
mehr zuschießen. man hatte also noch 48 h, um nachzubessern, bis
mittwoch. seitens ARCANDOR.
und?
die wollen wohl nicht.
diese anteilseigner. die wollen nicht mehr zuschießen. dr. eick hat
erfolglos telefoniert.
aha!
ja,
dann musste dr. eick schnell die bremse ziehen - also: konkurs. (man
macht sich ja strafbar, wenn man einen konkurs verschleppt.)
aus, vorbei, konkurs?
es
ist schrecklich für die beschäftigten. hoffentlich werden viele
weitermachen, viele kaufhäuser, möglichst mit genau denselben
beschäftigten.und
genau
derselben anzahl. ach ja, ach ja. (ich bete auch für alle
HERTIE-beschäftigten und WOOLWORTH-beschäftigen und eigentlich alle
beschäftigten. KARSTADT ist nur das symbol.)
wirklich schlimm. wann hast du es gehört?
eben, um 14.00 uhr, in
den nachrichten, auf der autobahn A3.
und dann?
dann kam noch oskar negt
auf kulturradio berlin, und er ist einer der großen, alten, linken und
klugen professoren.im
interview.
und?
er
zeigte sich erschüttert, wie der staat derzeit geld verschüttet, für
schüttere rettungsmaßnahmen, z.b. OPEL. investionen, die
rückwärtsgewandt sind, alles mit unserem geld. er aber wollte
vorwärtsgewandte investitionen des staates, z.b. für bildung.
und nun?
und
nun? hast du mal die staatschulden addiert? - egal: KARSTADT im konkurs
... ist einfach beschissen. ich schrieb im fahren noch ein LIVE-gedicht.
welches?
KONKURSGEDICHT
Es
purzeln Mensch Und
Sorgen in
Einengroßen
Trog
Da
Lässt sich nichts Mehr
borgen in
So'nem
Abschiedssog
Copyright
Klau|s|ens, in allen Schreibweisen und Schraibwaisen, u.a. als Klausens
oder Klau(s)ens oder KlauKARSTADTsKARSTADTens, am 9.6.2009, Dienstag,
LIVE geschrieben, auf der Autobahn A 3, Höhe Köln-Dellbrück, Richtung
Frankfurt/Bonn, gegen 14:25 Uhr, nach dem Hören der Radionachrichten,
die vom Konkursantrag der ARCANDOR berichteten, und nach dem
Radiointerview mit Oskar Negt auf Kulturradio Berlin. (106,1) -
Gewidmet den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von KARSTADT ... und
allen anderen Menschen, die durch Missmanagement in die
Arbeitslosigkeit getrieben werden und wurden. Gewidmet den Opfern des
Gewinnstrebens miesester Ausprägung.
VON REINHARD KOWALEWSKY - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010 - 02:30
Die Verträge sind unterschrieben. Im
Beisein von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen verkündete der
neue Inhaber Nicolas Berggruen gestern die Zukunft: "Karstadt wird ein
sehr aufregendes Leben haben."
Deutschlands größter Warenhauskonzern Karstadt ist
nach mehr als einem Jahr der Turbulenzen endlich gesichert. Dies
verkündeten Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen und der neue
Inhaber Nicolas Berggruen gestern in Berlin. Berggruen werde in den
"nächsten Wochen, Monaten und Jahren einen langen Atem brauchen", sagte
von der Leyen. Der US-Amerikaner habe aber bereits bewiesen, was es
heiße, für Karstadt einzustehen.
Zukunftslorbeeren bekam der Milliardär auch vom bald
nicht mehr benötigten Karstadt-Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg:
"Herr Berggruen und sein Team haben beharrlich, konsequent und
verlässlich die Verhandlungen geführt. Diese Tugenden sollten sich auch
für die Zukunft von Karstadt als wertvoll erweisen." Und fast schon
enthusiastisch gab sich Berggruen selbst über seine neue Beteiligung:
"Heute ist ein aufregender Tag für mich." Er sehe sich als "Arbeiter
für Karstadt". Dabei werde das Unternehmen mit seinen 25 000
Mitarbeitern ein "sehr aufregendes Leben haben". Er sei "irrsinnig
glücklich" dabei zu sein. Die Verdi-Vizechefin Margret Mönig-Raane
sprach von einem "Tag der Freude und Dankbarkeit".
15 Monate nach dem Insolvenzantrag herrscht damit
Klarheit: Görg erhielt um 11.20 Uhr die letzten Dokumente, die für die
Aufhebung des Insolvenzverfahrens nötig waren. Es waren die
Unterschriften von Gläubigern der Vermietergruppe High-Street.
Anschließend bestätigte das Amtsgericht Essen den Insolvenzplan.
Kernpunkt der langen Verhandlungen waren die Mietkürzungen, die
Berggruen von High-Street verlangt hatte. Am Donnerstag hatten in
London die Schlussverhandlungen begonnen, bei denen am Ende alle
Gläubiger den reduzierten Mieten für die Karstadt-Filialen zustimmten.
Damit war die letzte noch offene Forderung für den Vollzug des
Kaufvertrags durch Berggruen erfüllt.
Insgesamt, so heißt es, verzichten die Vermieter auf
400 Millionen Euro an Einnahmen in den nächsten Jahren. Berggruen
dankte von der Leyen (CDU) für ihre "fantastische Diplomatie" – gemeint
ist, dass die Bundesregierung im Hintergrund die Großbanken Deutsche
Bank und Goldman Sachs als Strippenzieher bei High-Street gedrängt
hatte, die Mietkürzungen zu akzeptieren und durchzusetzen.
Nun sollen bis 30. September alle Vorbereitungen
getroffen werden, um die Kaufhauskette "schlüsselfertig" an die
Berggruen Holding zu übergeben. Die Ministerin mahnte, Karstadt sei
"noch nicht über den Berg". Aufgabe der Mitarbeiter sei es nun, zu
zeigen, dass es auf dem Markt Platz für zwei Warenhausketten, Karstadt
und Kaufhof, gebe.
Wie wird es nun weitergehen? Berggruens Konzept
stützt sich auf einen Geschäftsplan, den die Sanierungsexperten Thomas
Fox und Rolf Weidmann ausgearbeitet haben. Karstadt soll als
"Kultmarke" wieder aufleben und verjüngt werden. Vorrangig Modeartikel,
Sportwaren und bunte Accessoires sollen verkauft werden.
Wird Berggruen das alleine mit seinem Partner Max
Azria, einem Designer, machen? Wer weiß? Die Borletti-Gruppe aus
Italien, die selber Karstadt übernehmen wollte, richtete Glückwünsche
aus. Man sei "überzeugt, "dass das Warenhaus in Deutschland eine gute
Zukunft hat". Wie ist das zu verstehen? Vielleicht ja als
Kooperationsangebot der Herren über die Edelkaufhausketten Rinascita
(Italien) und Printemps (Frankreich).
Der Karstadt-Retter Nicolas Berggruen gibt sich bodenständig – und
bleibt doch ungreifbar. Er selbst sagte nach der geglückten
Konzern-Rettung: „Ich sehe mich heute als Arbeiter für Karstadt.“
"Wenn es sich rechnet, bin ich zufrieden", sagt
Berggruen über den Karstadt-Deal.
Foto: REUTERS
"Wenn es sich rechnet, bin ich zufrieden", sagt
Berggruen über den Karstadt-Deal.
Foto: REUTERS
Nicolas Berggruen ist eine mythische Gestalt,
ein Mann, von dem man einiges zu wissen glaubt und der sich doch so
ziemlich jedem Blick entzieht. Wunderbare Geschichten gibt es über
diesen schmalen Mann mit den braun-grünen Augen zu erzählen, der, wann
immer es irgendwie möglich ist, eine Fliegersonnenbrille im Haar trägt
und das weiße Hemd bis zum dritten Knopf geöffnet lässt.
Ob diese Geschichten alle stimmen, kann kaum
jemand sagen – aber vielleicht ist das auch längst gar nicht mehr so
wichtig.Berggruen, so sagt die Legende, ist ein einsamer Mann,
der überall ist, aber nirgendwo hingehört. Er hat keine Wohnung, kein
Büro, kein Auto, am liebsten schläft er in seinem Privatflugzeug, wenn
es ihn von Kontinent zu Kontinent trägt. Er soll nur fünf blaue Anzüge
und zehn weiße Hemden besitzen. Seine Privatvermögen wird auf 1,8
Milliarden Dollar geschätzt.
Zur Person
„Die gute Heuschrecke“ – diesen Titel verlieh der
Spiegel dem Finanzinvestor Nicolas Berggruen, 49, nach dessen Übernahme
der 220 Karstadt-Filialen. Nach seinem Finanzstudium gründete er eine
eigene Holding, kaufte u.a. den US-Brillenhersteller FGX und brachte
diesen zurück in die schwarzen Zahlen.
Als Kosmopolit wird der Sohn des 2007 verstorbenen
Mäzens Heinz Berggruen oft beschrieben. In Paris kam er 1961 zur Welt.
Heute lebt er wahlweise in Los Angeles, New York und Berlin, reist viel
in seinem Privatjet um die Welt. Sein Vermögen wird laut „Forbes“-Liste
auf 1,8 Milliarden Dollar geschätzt.
Mit 17 Jahren, so geht die Sage, hat er sich von einem Freund 2000
Dollar geliehen und die ersten Geschäfte gemacht. Sein Finanzstudium in
New York schloss er bereits nach zwei Jahren ab, dann ging er an die
Wall Street. Er hat in dieser Zeit Immobilien gekauft, später Firmen,
ganze Ketten. Die hat er saniert und weiterverkauft: den maroden
Brillenhersteller FGX, die US-Möbelkette Schieder; dann griffen seine
Berggruen Holdings allmählich in die weite Welt aus.
Irgendwann, hat er dem Wall Street Journal erzählt, wollte er dann
„in Dinge investieren, die Generationen überdauern“. Einmalige
Bauwerke, Kunst und dann auch Karstadt, ein Denkmal deutscher
Konsumgeschichte. Es kann sein, dass dieser kinderlose, unverheiratete,
49 Jahre alte Mann schon jetzt über sein eigenes Leben hinaus denkt.
Dass er an seinem Vermächtnis arbeitet.
Berggruen ist in Paris aufgewachsen, zu Hause wurde deutsch
gesprochen. Sein Vater, der bekannte Kunstsammler Heinz Berggruen, der
als deutscher Jude während der Nazizeit die Heimat verlassen musste,
soll ihm schon als Kind vom KaDeWe erzählt haben, diesem prächtigen
Berliner Kaufhaus. Es gibt nun Leute, die vermuten, der heimatlose Sohn
des einst vertriebenen Vaters hätte sich Karstadt als eine Art
sentimentales Souvenir zugelegt.
Aber da würde man wohl den Geschäftsmann Berggruen unterschätzen,
der sein Geld nicht gefühlsduselig verplempert. „Wenn es sich rechnet,
bin ich schon zufrieden, wenn es dann noch Sinn ergibt, bin ich
glücklich“, soll er nach dem Kauf eines spanischen Verlagshauses gesagt
haben. Seither wird er in der deutschen Presse schon mal als „Investor
mit sozialem Gewissen“ tituliert.
Gern arbeitet er im Stadtpark
Das mit der Sinnsuche ist ihm wohl mit den Jahren immer wichtiger
geworden. Berggruen investiert in Windkraftwerke und Reisplantagen, er
finanziert Entwicklungsprojekte in Afrika und fördert weltweit junge
Unternehmer, die sich einer fairen Ökonomie verschreiben. Er sagt, er
wolle lernen, fremde Kulturen in sich aufzusaugen, die Zeit zu
verstehen.
Nicolas Berggruen wirkt dabei wie ein Getriebener, der unermüdlich
die Welt umrundet, der immer im Schwung bleiben muss, um nicht zu sehr
zur Ruhe zu kommen. „Ich arbeite 14 Stunden am Tag, egal, wo ich bin.
Das ist mein Leben“, hat er mal gesagt. Was würde mit ihm wohl
passieren, wenn er mal stehen bliebe?
In seinen Jugendjahren in Paris soll Nicolas Berggruen ein stiller,
existentialistischer Schwärmer gewesen sein, der seine Tage und Nächte
mit Büchern von Sartre und Camus verbrachte. Seinem Vater soll der
verschlossene Junge unheimlich geworden sein, weshalb er ihn hinaus
stieß in die Welt, auf dass er sich sein eigenes Brot verdiene.
Berggruens jüngerer Bruder Oliver, der als Kunstsammler in Paris lebt,
hat einmal gesagt, der Nicolas sei womöglich zu früh aus dem Nest
verjagt worden. Kommt daher seine Abneigiung, sich fest an einem Ort
niederzulassen? Bis heute soll er keine feste Adresse haben, in Berlin
gelte er gar als Wohnungsloser.
Sein Unternehmen hat Niederlassungen in der ganzen Welt, aber selbst
die besucht er nicht mehr. Er sagt, er arbeite lieber im Hotel oder im
Park. Es ist so, als wolle er um jeden Preis verhindern, dass sich sein
Leben verfestigt. Er will der Mann bleiben, der in den Wolken schläft.
Am gestrigen Freitag in Berlin, als der Karstadt-Deal endlich
abgeschlossen war, trat Berggruen lächelnd vor die Presse. Er sagte:
„Ich sehe mich heute als Arbeiter für Karstadt“. Und es klang, als
würde da schon längst an der nächsten Legende gearbeitet.
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